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Im Februar erleben Sie Rock und Pop mit einem klassischen Streichquartett!

Pressespiegel zum Kammerkonzert am 21. November 2010

Leidenschaftlich: Ariana Burstein und Roberto Legnani

mit dem Duo Ariana Burstein (Violoncello) und Roberto Legnani (Gitarre)

Gitarre-Cello-Duo aus Argentinien und Italien spielte im Jägerhaus Forst.Das Largo in Vivaldis D-Dur-Konzert für Gitarre und Continuo hat es schon zur Leitmelodie eines Tatort-Krimis gebracht. Wie dort ein Junge bei der hin und her schwingenden Melodie vor sich hin träumt, taten es viele Zuhörer bei der meditativen Interpretation des Gitarre-Cello-Duos beim jüngsten Konzert im Jägerhaus Forst. Die langen Töne des Cellos standen besonders im chromatischen Mittelteil in einem reizvollen Gegensatz zu den punktierten Rhythmen der Gitarre. Es war eine willkommene Beruhigung nach dem ersten Satz „Allegro“, den die aus Argentinien stammende Cellistin Ariana Burstein reichlich rau und fast spröde, mit sehr festem Bogenstrich gebracht hatte.
Sie erklärte dies auf Nachfrage damit, dass sie bewusst die große Spannweite des Cellos zeigen wolle. Aber dazu war ja eigentlich besser Gelegenheit bei dem fast 200 Jahre später entstandenen Stück „Villanesca“ des Spaniers Enrique Granados mit den dort nötigen starken Phrasierungen. Hier fiel erstmals eine Eigenart der durch Sinti-Musik und durch südamerikanische Volksmusik geprägten, leidenschaftlichen Musikerin auf: Sie liebt das Hineingleiten in die Töne, das Glissando. Der mitteleuropäische Geschmack empfiehlt hier: Vorsicht! Was bei dem volkstümlichen Ohrwurm „Jewish Town“ mit seinen wehmütigen Flageolett-Passagen passt, muss sich nicht unbedingt ins Adagio von Vivaldis Zeitgenosse Albinoni fügen.
Bei Albinoni und auch sonst gelegentlich hätte die Gitarre mehr Raum gebraucht. Der virtuos spielende, aber zurückhaltende Gitarrist Roberto Burstein ersetzt ja bei dem barocken Albinoni fast ein halbes Orchester. Er ist der Impulsgeber. Das verwirklichte er hier mit kräftigen Akkorden, womit er sozusagen die Cellistin zu einem weiteren gefühlvollen Klagelied animierte. Überhaupt das Zusammenspiel. Die Beiden ergänzen sich zuverlässig. Es war in diesem Jahr das 75. Konzert der Partner, die in Offenburg leben. „Das ist das Schöne an Deutschland: Kulturveranstaltungen gibt es nicht nur in der Hauptstadt wie in meiner Heimat Buenos Aires“, resümierte Burstein. „Hier ist alles dezentral: Auch eine kleine Gemeinde wie Forst sorgt für Kultur.“
Der aus Italien stammende Legnani trug die Kippa auf dem Kopf und unterstrich auch mit der Auswahl des Stückes „Mazel tov“ die Zugehörigkeit des Paares zum Judentum. Dies machte das Konzert noch vielfältiger. Dafür sorgten auch die virtuosen „Rausschmeißer“ am Schluss: Die Pavane op. 50 von Gabriel Fauré mit dem gut bewältigten, gleichzeitigen Pizzicato und erst recht der rasante, immer schneller werdende Zigeunertanz „Csárdás“ von Vittorio Monti.
Eike Schmidt-Lange (mit freundlicher Genehmigung der "Bruchsaler Rundschau")
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