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Pressespiegel zum Kammerkonzert am 24. November 2013

Mal gefällig, mal gerissen

Das „Trio Déjà Vu“ spielt im Jägerhaus zwischen Spohr und Liszt

Nicht nur ein Beethoven-Klaviertrio stand im Jägerhaus auf dem Programm, sondern auch eines von seinem Zeitgenossen Louis (Ludwig) Spohr (1774 bis 1859). Der Kapellmeister von Wien, Frankfurt und Kassel hat noch die Aufbruchjahre in der Mitte des 19. Jahrhunderts erlebt, auch den jüngeren Johann Strauß (geboren 1825), den „Walzerkönig“. Hat all das abgefärbt auf Spohr, der fast 20 Jahre mehr Lebenszeit hatte als Beethoven?


In dem exzellenten Forster Konzert des „Trios Déjà Vu“ konnten die zahlreichen Besucher eine Antwort finden. Ja, es ist so: Spohr treibt Beethovens Klang- und Formenvielfalt oft auf die Spitze – und landet manchmal auch bei Anklängen an gefällige Musik der Wiener Tradition. Das war im dritten Klaviertrio a-Moll, op.124, besonders im Scherzo-Satz zu merken. Die ausführlichen, schnellen Sechzehntel-Variationen des Klaviers wirkten irgendwie lieblich. Die beiden Streicher nahmen sie auf mit sehr „fettem“ Ton – und lächelten sich dabei an, sozusagen scherzend. Im ersten Allegro-Satz des Star-Violinisten Spohr spielten Adrian Iliescu (Violine) und Gabriel Faur (Cello) so intensiv und rasant, dass sie gleich nachstimmen mussten.


Beim dritten Klaviertrio c-Moll op. 1 Nr. 3, ein Frühwerk des Klaviervirtuosen Beethoven, gab Maciej Szyrner mit windschnellen Passagen und beeindruckenden Soli die souveränen Vorgaben. Der polnische Pianist bewältigte mühelos auch den Prestissimo-Abschluss. Die Streicher hatten hier oft kommentierende Aufgaben, die sie mit entschiedenem Strich lösten.


Robert Schumann war etwa 40 Jahre jünger als die beiden ersten Komponisten des Konzerts. Auch von ihm war ein Klaviertrio zu hören: Nr. 3 g-Moll op. 110. Schumann hat die Klaviersprache gewaltig erweitert, und so hatte der Pianist des Trios wieder einen führenden Anteil zu leisten. Alles wirkte hier expressiver. Auf die Frage, warum die drei den ersten Satz so hart und spröde angepackt hatten, antwortete Szyrner: „Viel Abwechslung ist nötig!“ Tatsächlich gab es hier eine Skala vom Kampfgetümmel bis zum Wiegenlied! Die Streicher unterstützten das mit gerissenen Sforzati und galoppierenden Staccatos.


Zugabe wegen Begeisterung: Der lyrische und teils dissonante zweite Teil der Klaviertrio-Bearbeitung „Tristia“ von Franz Liszt, eine Anspielung auf die traurige Verbannung des antiken Dichters Ovid.


Eike Schmidt-Lange (mit freundlicher Genehmigung der "Badischen Neuesten Nachrichten")
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